David Fuchs Studie über den Umgang Kafkas mit Kunst in den Moderne-Studien

Davis Fuchs: Kafkas Kunstreflexion. ÄsthetischeSchauanordnungen zwischen Theater, Bild und Schrift. Bielefeld: Aisthesis 2026 (= Modern-Studien 29) zu finden unter
Fallada-Forscher wurden danach befragt, wie sie zu Fallada kamen.
Und naheliegend gibt es dafür viele Möglichkeiten. Ob der eigene seriös ist? Wohl eher nicht: „Ich hasse Fallada …“ Warum? Er nervt, soll heißen, seine Männer nerven, sie jammern und zetern, immer sind alle anderen schuld, sie saufen und inszenieren ihren Untergang, wenn sie denn nicht alles und alle gleich mitreißen. Aber das ist eben nur die eine Seite an den persönlichen Fallada-Lektüren.

Denn anders als in Germanistik-Seminaren und unter Germanistik-Dozenten gern kolportiert, heißt Freheit der Forschung nicht, dass man nur das macht, was einem gefällt, sondern eben auch das, was notwendig ist. Und unter den gegebenen Umständen – im Revival dann schon doch mittlerweile toxischer Männlichkeit – ist eine Auseinandersetzung mit Falladas Männern sehr lehrreich. Das kann man sich nicht nur antun das muss man, vor allem wenn einem an Aktualität gelegen ist.
Walter Delabar: Ich hasse Fallada … Ein biografisches Eingestämdnis und eine wissenschaftliche Anforderung. In: Salatgarten. Jahresschrift der Hans Fallada Gesellschaft e.V. 34 (2025), S: 43-45. Zu beziehen über die Hans Fallada Gesellschaft
Neues zu Marieluise Fleißer
Die „Mehlreisende Frieda Geier“ gehört zu den wichtigsten Romanen der Weimarer Republik, und er setzt beim Thema Emanzipation einen anderen Ton als in anderen Texten zu finden, denn Frieda Geier ist keine Halt, Orientierung und Auskommen suchende junge Frau, sondern weiß was sie will. Eben auch von Gustl Amricht. So zumindest die These in: Ein Paar. Geschlechtsspezifische Haltungskonzepte in Marieluise Fleißers Roman „Mehlreisende Frieda Geier“. In: Marieluise Fleißer. Eigenständiges und Widerständiges im Schreiben. Hrsg. von Christina Rossi. Würzburg: Königshausen und Neumann 2025, S. 117-138.

Ansonsten mit Beträgen von Christina Rossi, Ulrike Vedder, Anna-Katharina Gisbertz, Corinna Schlicht, Sofie Dippold, Johannes Hees-Pelikan, Eva Kormann, Jürgen Hillesheim, Franz Fromholzer und Klaus Goldschadt. Sie finden die Angaben zum Sammelband auch direkt beim Verlag: https://verlag.koenigshausen-neumann.de/product/9783826091957-marieluise-fleisser-eigenstaendiges-und-widerstaendiges-im-schreiben/
Eine lange Geschichte, nun erscheint der erste Band der Romane Carl Hauptmanns in der Werkausgabe, die im Verlag frommann-holzboog betreut wird
Carl Hauptmann, 1858 geboren, 1921 verstorben, ist heute kein allzubekannter Name mehr im Literaturbetrieb. Er wird immer wieder einmal im Kontext seines weitaus berühmteren jüngeren Bruders Gerhart Hauptmann genannt, ist aber ein Autor eigenen Rechts. Seit fast 30 Jahren gibt es Hauptmanns Sämtliche Werke, herausgegeben von Hans-Gert Roloff und Miroslawa Czarnecka. Nun erscheint endlich der erste von zwei geplanten Bänden mit dem Romanwerk Hauptmanns. Enthalten sind Hauptmanns erster Roman „Mathilde“ um eine schlesische Arbeiterin und der Künstlerroman „Einhart der Lächler“. Auch diese Projekt hat eine lange Geschichte, die aber jetzt zu einem ersten Abschluss kommt. Der Kommentarband soll bald folgen. Der zweite Band mit weiteren Texten Hauptmanns ebenso. Weitere Informationen zur Werkausgabe und zum Band.
Carl Hauptmann: Sämtliche Werke, Band V,1: Romane 1 (Text). Bearbeitet von Walter Delabar unter Mitarbeit von Christiane Nowak und Ines Schubert.
Mathilde (1902)
Einhart der Lächler (1907)
Carl Hauptmanns Romane gehören zu den aufschlussreichsten Texten des frühen 20. Jahrhunderts. Der Autor – Naturwissenschaftler und eingebunden in ein umfangreiches Kontakt- und Korrespondentennetz – hatte Anschluss an die neuesten Schreibformen und Diskussionen. Als Figur des Übergangs bezeichnet, ist er auch im Romanwerk auf der Höhe seiner Zeit. Das Interesse für die Lebensumstände einer Fabrikarbeiterin, denen er den Roman ›Mathilde‹ widmete, ist ebenso bezeichnend dafür wie die Exposition des Künstlers als Außenseiter der Gesellschaft, von dem der spätere Roman ›Einhart der Lächler‹ handelt.
https://www.frommann-holzboog.de/editionen/1704/170400511?lang=de
Deutsch-Rap ist heute eines der erfolgreichsten Pop-Genres, nun soll die literaraturwissenschaftliche Anerkennung folgen, oder wenigstens der Büchner-Preis
Rap als Teilbereich des Hip-Hop wurde im Laufe der 1970er Jahre aus verschiedenen Quellen insbesondere im New Yorker Stadtteil Bronx entwickelt, der vor allem von farbigen Gruppen bewohnt wurde. Inhaltliche und lebensweltliche Charakteristika des Rap, der sich aus den gesprochenen Beiträgen des Master of Ceremony (MC) entwickelte, sind die Bindung an einen einfachen, tanzbaren musikalischen Rhythmus, der die verwendeten Reim-, Vers- und Strophenformen bestimmt, der Bezug zu hedonistischen Lebensformen verbunden mit dem Protest diskriminierter Gruppen in Kombination mit der Selbstpositionierung im Rahmen der Adoleszenz. Rap wird als spontanes, authentisches Genre ausgezeichnet, dessen Sprecher einer jeweils bestimmten Community angehört, was durch den textlichen Verweis auf die Herkunft (hier den Stadtteil) gesichert wird.
International bekannt werden Hip-Hop und Rap mit The Message von Grandmaster Flash & the Furious Five aus dem Jahr 1982. Dem zeitlich nachgeordnet ist die Entwicklung des Gangsta Rap, der an der amerikanischen Westküste seit Mitte der 1980er Jahre entstand, der phasenweise das Genre insgesamt überformte und im deutschsprachigen Rap immer noch im Vordergrund steht. Mit dem Gangsta-Rap kommen ein spezifischer Habitus (Gangsta), ein dominantes, offen gesagt chauvinstisches Männlichkeitskonzept, die Abwertung von Frauen zu Sexualobjekten, die demonstrative Präsentation von Reichtum und die Abgrenzung gegen die bürgerliche Gesellschaft als Diskriminierungsinstitut hinzu. In diesem Zuge erhalten die Rap-Battles ihre besondere Bedeutung, wie auch die Behauptung der jeweiligen Überlegenheit des Rappers und seine Bindung an sein auch hier demonstratives soziales Brennpunktviertel verstärkt werden. Die deutschsprachige Rezeption und Übernahme des Rap erfolgte in den 1990er Jahren, zu Beginn mit starken Vorbehalten, die den Erfolg der deutschsprachigen Variante des Rap aber kaum behindert haben.
Das Erstaunliche und vielleicht auch Befremdliche am Rap ist, dass trotz der deutlichen Ausdifferenzierung des Genres es bis heute an Charakteristika wie demonstrative Authentizität inklusive Bezug auf ein bestimmtes Stadtviertel oder eine bestimmte Stadt, betonte Überlegenheit des jeweiligen Performers als Rapper wie eines demonstrativen Männlichkeitstopos festhält. Dieses Ensemble von habituellen Elementen auch noch nach einer mittlerweile wahlweise zwanzig (Deutschrap) oder vierzig (US-Rap) Jahre dauernden Praxis als „widerständige Geste der Konfrontation mit dem Publikum“ zu beschreiben, vernachlässigt die fraglose Abnutzung solcher Gesten.
Dass auf der anderen Seite das Genre samt konzeptioneller Basisausstattung immer noch derart präsent ist, weist möglicherweise darauf hin, dass das Genre auf der Produzenten- wie Rezipientenseite von Generation zu Generation weitergereicht und jeweils angepasst wird (so auch im Beitrag von Rosa Reitsomer zu den Männlichkeitskonzepten im Rap), was eben auch heißt, dass es funktional geblieben ist. Wie das passiert und wieso gerade dieses Konzept derart resilient ist, wäre zu klären-
Fragen gibt es also genug, unabhängig davon, ob dem Rap ein hoher literarischer Rang, große Kreativität oder gar Originalität zugeschrieben wird. Die Dokumentation einer Tagung im Brecht-Haus Berlin ist jetzt bei transcript erschienen. Hier der link zu meiner Besprechung bei lilteraturkritik.de