Dieter Wellershoff: Aus dem Nachlass

Für die erste Ausgabe des JUNI Magazins stand Dieter Wellershoff mit Texten und einem Interview zur Verfügung – das ist lange her. Fast vierzig Jahre später veröffentlicht der JUNI Materialien aus dem Nachlass des im Jahr 2018 verstorbenen Autors. Mit zahlreichen Fotos und Werkskizzen und einem langen Brief an den Wellershoff-Herausgeber Keith Bullivant über die Funktion des Autobiografischen.

Inhalt

Schwerpunkt Nachlass Dieter Wellershoff

Editorial: Ins Unbekannte. Dieter Wellershoff   S. 7  / Werner Jung: Gefährliche Literatur. Dokumente und Texte aus dem Nachlass Dieter Wellershoff   S. 11  / Dieter Wellershoff: Es ist eine persönlich gesehene Welt.
Brief an Keith Bullivant   S. 13  / Dieter Wellershoff. Arbeitszimmer und Bibliothek.
Fotografien von Bodo Witzke   S. 23  / Dieter Wellershoff: Erfahrungsdefizit und Unwirklichkeit   S. 33  / Ihr Dieter Wellershoff. Briefe von Dieter Wellershoff   S. 35  / Dieter Wellershoff: Szenen, Ereignisse, Details, Bilder   S. 68  / Dieter Wellershoff: Skizzen, Entwürfe   S. 74  / Dieter Wellershoff: Solidarität im Filz. Bemerkungen
zum Kölner Spendenskandal   S. 81  / Dieter Wellershoff: Erschreckende Spiegelbilder   S. 85  / Dieter Wellershoff: Schau dir das an … Für Thomas Böhm   S. 87  / Dieter Wellershoff: Literatur ohne Rückendeckung   S. 89  / Dieter Wellershoff: Eine gute Gelegenheit, neue Leser zu finden.
Antwort auf die Umfrage: Lohnen Autorenlesungen   S. 93  / Dieter Wellershoff: Musik der Windharfe. für Günter Haese   S. 95  / Dieter Wellershoff: „Ins Sein gelangen“. Eine Wortkette. Klaus dem Geiger und seinen Mitspielern gewidmet   S. 101  / Dieter Wellershoff: Notizzettel   S. 105  / Dieter Wellershoff: Lebensrelationen. Gisela Neven DuMont
zum 50. Geburtstag   S. 115  / Dieter Wellershoff: Kleine Vergeltungsphantasie.
Rede zur Verleihung des Professorentitels   S. 117  / Der 90. Geburtstag. Ein Festakt. Fotografien von Bodo Witzke   S. 119  / Helge Malchow: Trauerrede auf Dieter Wellershoff   S. 135  / Dieter Wellershoff: Für einen Bildband   S. 138  / Petra Frerichs und Joke Frerichs: Semantik der „Stunde Null“.
Krieg und Nachkrieg im Werk von Dieter Wellershoff   S. 139  / Markus Schwering: Wellershoff und Böll   S. 149  / Werner Jung: Wellershoff liest Lukács. Eine Miszelle   S. 157  / Dieter Wellershoff: Lebensmüde?   S. 163  / Dieter Wellershoff: Letzte Notiz   S. 166  / Werner Jung: Dieter Wellershoff, aus dem Nachlass. Eine editorische Notiz   S. 167 

Weitere Beiträge

Rahel Bacher: Mein Vorschlag wäre … 40 Jahre Briefwechsel Wolfdietrich Schnurre und Heinz Friedrich   S. 171  / Wolfdietrich Schnurre – Heinz Friedrich. Briefe   S. 185  / Gregor Ackermann, Hans-Joachim Heerde und Karl Prümm: Frank Warschauer, Bibliografie   S. 203  / Gregor Ackermann  und Momme Brodersen: „Dr. Benjamin … so entsetzlich langweilig“. Rezeptionsdokumente zu Walter Benjamin (III)   S. 237  / Walter Delabar: Journalistinnen in den 1920er und 1930er Jahren. Eine kleine Ergänzung zu einigen Zahlenspielen   S. 249  / Doris Lauer: Wenn der Tod / Die Musik verschlingt. Walter Hasenclevers Gedichte an Mirl   S. 257  / Walter Hasenclever: Gedichte an Mirl   S. 263  / Werner Jung: Von der Notwendigkeit des Dystopischen. Prolegomena zu einem inzwischen inaktuellen Thema   S. 269  / Walter Delabar: Das Phantastische, das Wunderbare, das Unvorstellbare. Einige Überlegungen zur Funktion des Phantastischen in der Moderne   S. 279  / Schafott/Über den grünen Klee – Rezensionen und Hinweise   S. 292  /

Wege ins Ungebahnte. Dieter Wellershoff. Aus dem Nachlass. Herausgegeben von Walter Delabar und Werner Jung. Bielefeld: Aisthesis 2026 (= JUNI Magazin 65/66).

Zu erhalten über den Aisthesis Verlag, Bielefeld JUNI – Magazin für Literatur und Kultur – AISTHESIS VERLAG

Hassenswerter Fallada

Fallada-Forscher wurden danach befragt, wie sie zu Fallada kamen.

Und naheliegend gibt es dafür viele Möglichkeiten. Ob der eigene seriös ist? Wohl eher nicht: „Ich hasse Fallada …“ Warum? Er nervt, soll heißen, seine Männer nerven, sie jammern und zetern, immer sind alle anderen schuld, sie saufen und inszenieren ihren Untergang, wenn sie denn nicht alles und alle gleich mitreißen. Aber das ist eben nur die eine Seite an den persönlichen Fallada-Lektüren.

Denn anders als in Germanistik-Seminaren und unter Germanistik-Dozenten gern kolportiert, heißt Freheit der Forschung nicht, dass man nur das macht, was einem gefällt, sondern eben auch das, was notwendig ist. Und unter den gegebenen Umständen – im Revival dann schon doch mittlerweile toxischer Männlichkeit – ist eine Auseinandersetzung mit Falladas Männern sehr lehrreich. Das kann man sich nicht nur antun das muss man, vor allem wenn einem an Aktualität gelegen ist.

Walter Delabar: Ich hasse Fallada … Ein biografisches Eingestämdnis und eine wissenschaftliche Anforderung. In: Salatgarten. Jahresschrift der Hans Fallada Gesellschaft e.V. 34 (2025), S: 43-45. Zu beziehen über die Hans Fallada Gesellschaft

Eine Frau mit Eigensinn

Neues zu Marieluise Fleißer

Die „Mehlreisende Frieda Geier“ gehört zu den wichtigsten Romanen der Weimarer Republik, und er setzt beim Thema Emanzipation einen anderen Ton als in anderen Texten zu finden, denn Frieda Geier ist keine Halt, Orientierung und Auskommen suchende junge Frau, sondern weiß was sie will. Eben auch von Gustl Amricht. So zumindest die These in: Ein Paar. Geschlechtsspezifische Haltungskonzepte in Marieluise Fleißers Roman „Mehlreisende Frieda Geier“. In: Marieluise Fleißer. Eigenständiges und Widerständiges im Schreiben. Hrsg. von Christina Rossi. Würzburg: Königshausen und Neumann 2025, S. 117-138.

Ansonsten mit Beträgen von Christina Rossi, Ulrike Vedder, Anna-Katharina Gisbertz, Corinna Schlicht, Sofie Dippold, Johannes Hees-Pelikan, Eva Kormann, Jürgen Hillesheim, Franz Fromholzer und Klaus Goldschadt. Sie finden die Angaben zum Sammelband auch direkt beim Verlag: https://verlag.koenigshausen-neumann.de/product/9783826091957-marieluise-fleisser-eigenstaendiges-und-widerstaendiges-im-schreiben/

Carlemann

Eine lange Geschichte, nun erscheint der erste Band der Romane Carl Hauptmanns in der Werkausgabe, die im Verlag frommann-holzboog betreut wird

Carl Hauptmann, 1858 geboren, 1921 verstorben, ist heute kein allzubekannter Name mehr im Literaturbetrieb. Er wird immer wieder einmal im Kontext seines weitaus berühmteren jüngeren Bruders Gerhart Hauptmann genannt, ist aber ein Autor eigenen Rechts. Seit fast 30 Jahren gibt es Hauptmanns Sämtliche Werke, herausgegeben von Hans-Gert Roloff und Miroslawa Czarnecka. Nun erscheint endlich der erste von zwei geplanten Bänden mit dem Romanwerk Hauptmanns. Enthalten sind Hauptmanns erster Roman „Mathilde“ um eine schlesische Arbeiterin und der Künstlerroman „Einhart der Lächler“. Auch diese Projekt hat eine lange Geschichte, die aber jetzt zu einem ersten Abschluss kommt. Der Kommentarband soll bald folgen. Der zweite Band mit weiteren Texten Hauptmanns ebenso. Weitere Informationen zur Werkausgabe und zum Band.

Carl Hauptmann: Sämtliche Werke, Band V,1: Romane 1 (Text). Bearbeitet von Walter Delabar unter Mitarbeit von Christiane Nowak und Ines Schubert.

Mathilde (1902)
Einhart der Lächler (1907)

Carl Hauptmanns Romane gehören zu den aufschlussreichsten Texten des frühen 20. Jahrhunderts. Der Autor – Naturwissenschaftler und eingebunden in ein umfangreiches Kontakt- und Korrespondentennetz – hatte Anschluss an die neuesten Schreibformen und Diskussionen. Als Figur des Übergangs bezeichnet, ist er auch im Romanwerk auf der Höhe seiner Zeit. Das Interesse für die Lebensumstände einer Fabrikarbeiterin, denen er den Roman ›Mathilde‹ widmete, ist ebenso bezeichnend dafür wie die Exposition des Künstlers als Außenseiter der Gesellschaft, von dem der spätere Roman ›Einhart der Lächler‹ handelt.

https://www.frommann-holzboog.de/editionen/1704/170400511?lang=de